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Mad World

21.4.09 14:54, kommentieren

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Thomas

THOMAS FRIEDRICH


 

Liebe ist ein Ausdruck der Bereitschaft, einen Raum zu schaffen,

in dem sich etwas verändern darf.

 

 

 

Eine großartige Seele ist heimgegangen

 

Thomas Friedrich

geb.24.6.1981

 

18.4.09 23:16, kommentieren

Memories

Ein Blatt Papier, mit dem Titel MEMORIES.

Das klingt ziemlich dramatisch. Ich habe Angst, irgendetwas was wir gemeinsam erlebt haben, zu vergessen.

Ich schreib einfach drauf los, nicht chronologisch, sondern so wie es mir gerade einfällt.

 

Als ich noch zu Hause gewohnt habe, haben wir unsere Zimmer nebeneinander gehabt. Mein Zimmer war immer das „Durchgehzimmer“. Ich hab es gemein gefunden, dass er mit Heike die Zimmer mit Bad und WC bewohnt hat- eigentlich schon fast eine Wohnung mit eigener Haustüre. Wie oft hat er angeklopft, ein Lächeln aufgelegt, und gefragt, ob er durchgehen darf, weil es draußen sooooo kalt ist, oder weil er nur schnell den Staubsauger braucht, oder ein Taschentuch. Oft hat er auch versucht mich zu „erpressen“. Zum Beispiel, dass er mich dort und dort nicht abholt- natürlich immer mit seinem liebenswerten Grinsen.

Oft hatte er dann auch noch rote Augen (vor allem abends). Und wenn er mich dann angelacht hat, konnte man einfach nur zurücklachen.

Wir haben oft darüber gestritten, ob er durchgeht oder nicht. (Eigentlich ein ziemlich banales Thema, aber das Durchgehen hat uns endlose Diskussionen beschert).

Thomas war sowieso immer schon jemand, der ewig diskutieren konnte. Egal über was. Und am Ende konnte man fast sicher sein, dass man seine Meinung angenommen hat, auch wenn man zuvor vom Gegenteil überzeugt war. Er war nie um eine Antwort verlegen.

Als wir noch Kinder waren, hat er nicht diskutiert, sondern mich pausenlos geärgert. Wenn ich an unsere Kindheit zurückdenke, denke ich immer nur daran wie sehr ich ihn gehasst habe. Wirklich gehasst! Er hat mich immer zur Weißglut gebracht. Ich kann mich erinnern, dass ich einmal in ein Zimmer bei meiner Oma geflüchtet bin, und ich weiß noch ganz genau, dass ich mir gewünscht habe, dass er gar nicht mein Bruder ist, und wir ihn adoptiert haben, und jetzt zurückgeben können. Das war zu der Zeit mein größter Wunsch.

Meine Oma hat oft gemeint, dass ich Thomas einfach ignorieren soll, wenn er mich ärgert. Aber natürlich hat mein Bruderherz das gewusst, und je mehr ich versucht habe ihn zu ignorieren, desto mehr hat er mich geärgert.

Wenn er doch einmal „lieb“ zu mir war, dann nur scheinbar. Zum Beispiel hätte ich damals misstrauisch werden müssen, als er mir ein Glas Wasser ins Wohnzimmer brachte. War nämlich ziemlich versalzen...

Irgendwann habe ich bemerkt, dass Thomas immer bestraft wurde, egal wer zu streiten begonnen hatte. Das habe ich dann irgendwann ausgenützt. Denn es hat bei meinen Eltern schon gereicht, wenn ich gesagt habe, dass mein Bruder Schuld ist. Also wenn ich ihn geärgert habe und wir zu streiten begonnen haben, dann war trotzdem immer er Schuld.

Mein Bruder schuldet mir noch 50 Schilling. Er hat einmal gesagt, dass er bis zu seinem dreißigsten Lebensjahr ins Fernsehen kommt. Entweder als Sportler (Tennisspieler, Fußballer), oder zumindest als Schiedsrichter.

Thomas und ich haben einmal, als wir noch jünger waren, über irgendetwas eine Diskussion geführt. Er hat dann gemeint, dass ich erst dasselbe darf wie er, wenn ich gleich alt bin wie er. Heute ist mir der komische Gedanke gekommen, dass wenn ich 24 Jahre alt bin, sogar älter sein werde, als er in diesem Leben geworden ist.

Ein seltsamer und irgendwie auch erschreckender Gedanke.

Immer wenn ich nach Hause gefahren bin, habe ich gehofft, dass Thomas da ist und wir uns kurz zusammensetzen, eine rauchen, und einander erzählen wie es uns geht, oder was wir so machen. Das vermisse ich jetzt ziemlich, denn diese paar Minuten mit ihm, haben mir immer sehr viel bedeutet und in einer gewissen Weise auch Kraft gegeben. Ich vermisse auch sein Auto, dass im Hof steht, oder dass er mir im Lurtengraben mit einer Wahnsinnsgeschwindigkeit entgegenkommt.

Er war ein Mensch der keine Sekunde ruhig sitzen konnte. Wenn wir bei meiner Oma zum Essen eingeladen waren, wurde er nach 2 Stunden unruhig, und hat dann oft eine Ausrede erfunden, damit wir heimfahren. Wir haben uns immer abgewechselt beim Fahren. Einmal mit seinem Auto, beim nächsten mal mit meinem.

Sein Auto war das dreckigste, das ich kannte. Es war regelrecht eine Müllhalde, was ihn aber weiter nicht störte. Gegen den Gestank hatte er Wunderbäume. Und er hat immer gesagt, dass er es zu Schrott fahren wird, und dann ein neues kauft.

Mein Bruder war nie jemand, der sich groß aufgespielt hat, nur weil er älter ist. Er hat nie den „Beschützer“ gespielt, der auf seine kleine Schwester aufpasst. Aber trotzdem habe ich gewusst, dass er zu mir steht, egal was passiert.

Das er sich auch manchmal Sorgen um mich gemacht hat, hab ich erst später erfahren. Damals zum Beispiel, als ich nach Judendorf gekommen bin, und alles und jeden so faszinierend fand.

 

Das letzte Mal habe ich Thomas am Freitag vor seinem Unfall gesehen. Ich wollte immer mal mit ihm zusammen fortgehen, und seine neuen Freunde kennen lernen. An diesem Abend haben wir uns zufällig im Landgraf getroffen. Ich war das erste Mal im Landgraf, und wollte eigentlich schon mit zwei Freundinnen in ein anderes Lokal gehen. Auf jeden Fall habe ich draußen auf irgendetwas gewartet, und ich habe auf einmal Ralf gesehen. Ich begrüße ihn, und frage ob mein Bruder auch da ist. Es stellt sich heraus, dass Thomas und ich anscheinend aneinander vorbeigelaufen sind. Also geh ich wieder runter, und wir trinken was zusammen. Wir haben darauf angestoßen, wie toll es ist, dass wir uns in diesem Leben ausgesucht haben, Geschwister zu sein.

Nach ein paar Getränken bin ich ins nächste Lokal, und er hat gemeint, dass er vielleicht noch nachkommt. Wir haben uns dann tatsächlich noch einmal zufällig vor der Scheinbar gesehen. Er und seine Freunde haben gerade darüber diskutiert was sie jetzt machen.

Ich habe meinen Bruder dann noch umarmt und wir haben uns verabschiedet.

Ich weiß noch, dass ich mich umgedreht habe. Und dieses Bild ist wie versteinert in meiner Erinnerung. Er steht auf der anderen Straßenseite, und hat einen schwarzen Mantel an, der nicht ihm gehört. In meiner Erinnerung ist irgendwo über ihnen eine Straßenlaterne, die ihn und seine Freunde beleuchtet. Genau so habe ich ihn das letzte Mal gesehen

Das nächste Mal dann im Krankenhaus auf der Intensivstation.

 

 

 

 

 

 

 

 

18.4.09 23:21, kommentieren

Gedanken, Tagebucheintragungen

Es hilft mir immer wieder, wenn ich meine Gefühle aufschreibe. Vor allem wenn ich Thomas besonders vermisst habe, und in einem tiefen Loch war, habe ich drauf los geschrieben.


Oktober 2004

Dein Lachen, das vermisse ich.

Deine Ehrlichkeit.

Deine Wärme.

Den Moment, in dem du ins Zimmer kommst.

Deine Sturheit.

Deine Kraft.

Deine Hartnäckigkeit.

Dein Einfühlungsvermögen.

Deine Stimme.

Deine Fröhlichkeit.

Deine Gedankengänge.

Deine Klarheit.

Deine Stärken.

Deine Unordentlichkeit.

Deine Feinfühligkeit.

Deine Lebenslust.

Deine Vergesslichkeit.

Deine Art mit Menschen umzugehen.

Ich vermisse dich, Bruderherz...

 

Leute kommen auf mich zu und bemitleiden mich.

Zwei Minuten vorher habe ich noch an etwas anderes gedacht.

Aber sie machen mich traurig.

Sie sind bedrückt und senken die Stimme.

„Wie geht’s dir?“

Es macht mich traurig, wenn andere Menschen traurig sind, weil ich traurig bin.

Es macht mich wütend.

Die Trauer gehört mir.

Ich will nicht traurig sein, weil sie es erwarten.

Ich will fröhlich sein, weil es dir gut geht.

 

14.10.2004

... Ich habe durch seinen Tod sehr viel gelernt- zum Beispiel bewusster zu leben. Jetzt erst versteh ich was es heißt im „Jetzt“ zu leben. Thomas hat in den letzten Monaten so intensiv gelebt, wie nie zuvor. Er hat alles gemacht, wozu er Lust hatte. Alles gesagt, was zu sagen war.

Ich liebe ihn dafür.

Außerdem wird mir klar, über wie viele Dinge wir uns in unserem Leben ärgern, meist über Kleinigkeiten....

 

18.10.2004

So langsam wird mir erst bewusst, wie sehr ich ihn vermisse. Wie sehr ich meinen großen Bruder brauche. Ich will nicht „ohne ihn“ erwachsen werden. Ich will, dass meine Kinder ihn einmal kennen lernen- seine Offenheit, seine sympathische Art, sein Lächeln, seine Art mit Problemen umzugehen.

 

Ich finde es unfair, dass dieser Unfall überhaupt passiert ist. Es ist okay, dass er sich gegen das Leben im Rollstuhl entschieden hat. Aber warum überhaupt dieser Unfall?

Seine Zeit war gekommen? Aber warum schon jetzt?

Warum darf ich nicht mit ihm zusammen alt werden?

 

Wann hören die Tränen auf über meine Wangen zu fließen?

 

.... 2004

 Von klein auf bist du bei mir, neben mir. Ich bin mit dir aufgewachsen, Du warst immer da. Ich kann mir nicht vorstellen, dass du nicht mehr da bist. Ich will es nicht wahr haben. Schließlich wird man alt, und erst dann stirbt man. Wie kannst du so früh von mir gehen? Wie kannst du mir das antun?

 

Wie oft hast du mich geärgert? Wie oft hast du mit mir gestritten?
Ich hab das oft nicht ausstehen können. Jetzt würde ich alles dafür geben, und ich würde dir  immer Recht geben, egal was du sagst, weil es unwichtig ist wer recht hat. Jetzt bringt mir meine Bockigkeit und Sturheit auch nichts mehr.

 

Was wäre wenn ich gefahren wäre? Wieso, verdammt noch einmal bin ich nicht in diesem Scheiß- Auto gesessen? Wieso musstest du gehen? Wieso kann nicht ich an deiner Stelle sein?

Ich vermisse dich so sehr Bruderherz. Du bist für mich unersetzbar. Nicht mal annähernd gibt es so eine Person wie dich. Ich vermiss deinen Humor am allermeisten. Deine Art gewisse Dinge nicht zu schwer zu nehmen.

 

Es tut weh!!

Ich bin wütend. Ich hasse dich und ich liebe dich. Du fehlst so sehr. Bei allen Kleinigkeiten. In gewissen Situationen. In peinlichen Momenten..

Jetzt!

Alleine die Vorstellung was mich noch erwartet ohne dich macht mir Angst, Thomas. Ich bekomm Angst. Ich brauche meinen großen Bruder. Ich kann nicht ohne dich. Aber ich kann nichts ändern! Und das macht mich wieder wütend!! Und diese Wut macht mich hilflos. Und das macht mir wieder Angst.

Bitte gib mir Kraft. Gib mir die Stärke mein  Leben zu leben.

 

06.11.2004

In Gedanken bin ich immer bei dir.

Aber ich lasse dich ziehen.

Du bist genau so ein Bruder, wie ich ihn mir gewünscht habe.

Ich habe Angst, dass ich vieles vergesse, was wir erlebt haben.

Doch tief in meinem Herzen bleibst du immer,

und bist dadurch bei mir,

wenn ich dich brauche.

 

02.01.2005

 Ich pack das alles nicht mehr. Ich kann keinen Handgriff tun, ohne zu denken wie sinnlos er ist. Ich hab keine Energie mehr für das ganze Spiel hier. Ich fühle mich leer und ausgelaugt. Wie eine leere Batterie, die ihren Akku nicht findet.

Was hat hier noch Sinn? Was hilft mir?

Wie kann ich diese Leere von mir abschütteln?

Fühl mich so alleine und nutzlos. Das kann nicht sein...

 

Würde am liebsten nur mehr schlafen und an nichts denken müssen. Meine Gedanken wegstoßen. An nichts denken.

 

Es kommt so eine Wut aufs Leben auf. Aufn Thomas. Auf mich.

 

27.01.2004

Die Traurigkeit lässt nach. Das erschreckt mich. Du bist nicht mehr in meinem Hirn

eingebrannt.

 

30.01.2005

Immer wenn ich denke, dass der Schmerz nachlässt, kommt er mit einer gewaltigen Kraft. Da reicht es schon, wenn ich nur ein Foto von ihm anschaue. Es macht mir Angst, wenn ich mal ein paar Tage nicht an dich denke. Es ist fast so, als ob Schuldgefühle aus mir sprechen, weil ich gedacht habe, dass ich immer um dich trauern werde und das dieser Schmerz nie weniger wird.

Er wird aber weniger..

 

Manchmal kommt es mir so vor, als ob mir jemand über die Wange streicht. Da denke ich an dich, an die Situation im Krankenhaus- als du da gelegen bist und ich mich nicht getraut habe über deinen Kopf zu streichen- aus Angst, dass ich dir wehtue.

 

Liebe bleibt Liebe, und Verbundenheit bleibt Verbundenheit. Für immer. Das kann uns niemand nehmen. Das bleibt.

 

Was wäre, wenn du noch bei uns wärst? Nichts hätte sich verändert, mein Leben wäre so weiter geplätschert. Niemand hätte sich Gedanken über Leben und Tod gemacht. Du hast so viel verändert... Hast so viele Menschen hinter dir gelassen, erfüllt mit Traurigkeit, Zweifel und Wut.

Du hättest noch so viel hier mit uns machen können, warum bist du jetzt schon gegangen? Ohne ein Goodbye.

 

Die Traurigkeit klebt an mir...

 

Ich vermiss dich Bruderherz!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

 

14.03.05

Ich fühl mich leer. Wo ist meine Kraft, wo ist mein Wille? Wo ist mein Bruder?

Wo ist die Energie die mich antreibt?

 

Es ist mir egal ob ich existiere oder nicht.

SINNLOS. Alles.

Dieses Leben. Dieser Tag. Diese Stunde.

Was hat noch Wichtigkeit? Was hat noch Sinn?

 

Ich fühle mich leer und ausgelaugt.

Ich fühle mich nutzlos.

 

Fast ein halbes Jahr ist es her, dass du voraus gegangen bist.

 

Druck lastet auf mir. Dem einzigen Kind.

 

Der Stift ist auf einmal neben dem Block. Die Rose wackelt hin und her.

Du bist da.

 

 

 

 

 

 

 

18.4.09 23:30, kommentieren

Dreams

Vor allem kurz nach dem Tod von Thomas habe ich oft von ihm geträumt. Oft haben diese Träume für mich keinen Sinn ergeben, manchmal haben sie mir geholfen, weil sie mir das Gefühl gaben (und geben), dass er bei mir ist.

 

14.10.2004

Thomas will in seinem Zimmer schlafen. Ich habe das Gefühl, dass er schon länger nicht mehr da war. Er ist gut drauf.

Wir sitzen unten im Wohnzimmer und hören Thomas oben. Wir hoffen, dass er auch kommt.

 

21.10.2004

Mama und ich gehen spazieren, zu Frau Leitgeb (Nachbarin) hinauf. Alles wird überwacht und ich gehe mit ungutem Gefühl zurück zu unserem Haus. Auf dem Parkplatz beim Basketballplatz ist ein kleines Kind. Vielleicht drei Jahre alt, blond. Sie meint, dass sie es vermisst, dass die Leute „echt“ sind.

 

23.10.2004

Bin mit einem Freund unterwegs. Treffen Ralf und Freunde von Thomas. Gehen mit ihnen mit und schauen Video über Thomas an (sein Leben).

 Thomas ist auch da und ich umarme ihn. Er lacht und ist fröhlich. Ich soll Heike sagen, dass das mit’m Wuh schon okay ist.

 

31.10.2004

Thomas wird vermisst- Niemand weiß wo er ist. Er ruft mich an und ich erzähle ihm, wie sehr ich ihn vermisse. Ihm geht es gut. Er meint, ich soll zurückrufen. Ich frage noch, ob er die alte Nummer hat, aber die Verbindung ist weg.        

Papa denkt dadurch, dass Thomas noch lebt.

Mama sucht ein Foto von Thomas. Findet zwei Gemälde, die sie gemalt hat in einem Raum mit Gewölbe.

 

16.11.2004

Waren mit Auto von Mama unterwegs- es wurde angeschossen. Thomas, Heike und ich waren dabei. Kommen nach Hause und Thomas will so tun, als ob nichts wäre und geht in sein Zimmer. Ich sehe Mama am Fenster. Ich will Thomas warnen und ihn anrufen, aber ich habe seine Nummer nicht (Ich habe sie am Vorabend gelöscht). Gedanke „Jetzt brauche ich sie doch“. Rufe dann Heike an, weil ich weiß, dass sie bei ihm ist.

 

23.11.2004

Thomas sitzt bei uns in der Küche (die alte dunkle, die wir schon seit Jahren nicht mehr haben). Er hat eine schwarze Mütze auf und zeigt sein Gesicht zuerst nicht. Hat etwas rosarotes und etwas Beiges.

Ich frage ihn, ob er Gott schon kennen gelernt hat. Er sagt „Ja, sicher“, und erzählt wo dieser wohnt, aber in einer Sprache die ich nicht verstehe. Er fragt, ob ich ihn verstehe und grinst.

Ich will ihn noch mehr fragen, aber mir fällt nichts mehr ein. Wollte fragen wie es war zu sterben, vergesse es aber. Habe gleichzeitig das Gefühl, überall helle, warme Farben zu sehen.

Er meint, dass er teilweise bei uns sein kann. Es tut ihm weh, wenn wir traurig sind. Er hält das nicht aus und verschwindet dann.

Ich sage zu ihm, dass ich ihn lieb habe. Er sagt „Ich dich auch“.

Ich berühre ihn, traue mich fast nicht- aus Angst, dass er dann verschwindet. Er hat abgenommen. Ich beginne zu weinen und er verschwindet langsam.

Er meint zu Mama, dass es wirklich keine Zeit gibt, und lacht.

 

05.01.2005

Ich bin bei Oma Rosa in Bärnbach und kümmere mich um meinen Opa aus Köln. Geh außer Haus und Börni ist im gegenüberliegenden Haus und hilft einem Mädchen beim Einziehen. Rede kurz mit ihm, und setze mich dann in mein Auto. Thomas sitzt neben mir und meint, dass da Börni manchmal ein bisschen seltsam ist, sonst aber ganz lieb.

 

07.01.2005

Habe das Gefühl, jemand will mich wegtragen aus Bett. Jemand nimmt mich an den Händen. Einmal hab ich das Gefühl, dass ich nicht mehr im Bett bin (spüre den kalten Boden).

Reagiere erst mit Angst, aber dann denke ich an Thomas und ich bin gespannt was passiert. Gedanke „Aha, so fühlt sich das an“.

 

09.01.2005

Sind bei meiner Oma zuhause in Voitsberg. Thomas sitzt am Tisch mit Freunden. Es ist Dienstag. Am Mittwoch wird er operiert, und alle wissen, dass er am Samstag sterben wird. Ich werde ihn ins LKH bringen. Ich weiß nicht, wie ich mich verabschieden soll.

Oma fragt ihn, welche Kekse sie für ihn machen soll, und dass sie ihn, wenn er Arcadium geht, abholt.

 

02.02.2005

„Schulausflug“. Ich drück mich vor etwas. Thomas kommt ins Zimmer (in Schule). Er sagt, wenn ich will gibt’s jetzt Frühstück. Ich gehe runter und er meint, man hat nicht bemerkt, dass ich in der Schule gefehlt habe. Er sagt, es gibt ein Essen für Familien, die ein Kind verloren haben.

 

21.02.2005

Mama liest mir alte Rittergeschichten vor. Ich schaue auf den Balkon von Thomas seinem Zimmer und sehe ihn verschwommen dort stehen. Er hat etwas buntes an, sein Gesicht sehe ich nicht genau. Ich bekomme Angst und beginne zu schreien und zu weinen.

 

Ich lese alte Briefe. Auf einmal bekomme ich das Gefühl, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen ist. Ein Brief ist in Mamas Handschrift. Sie meint, dass ich etwas lese, dass gar nicht da steht. Heike hat damit zu tun. Ich sehe das Wort „kill“. Einem von den beiden wird etwas passieren.

Ich bekomme Angst und denke fest an Thomas. Sehe Licht in mir.

Michael Strasser (kleiner Nachbar) sitzt neben uns. Er hat keine Angst.

 

23.02.2005

Mareike (eine Bekannte, die ich nicht gut kenne) wohnt bei uns- bei Thomas im Zimmer. Sie meint, dass sie ihn spürt und oft zu Leuten etwas sagt, ohne dass sie weiß warum- z.B. „Wegen dir habe ich das Gras gekauft“.

 

 

In letzter Zeit ist Thomas in meinen Träumen „noch einmal“ gestorben. Ich hab’s nicht fassen können, dass er stirbt. Wenn ich dann aufgewacht bin, hab ich bemerkt, dass er ja wirklich tot ist

Manchmal kommt er auch einfach so „nebenher“ vor. Ich steh zum Beispiel in der Küche und er schmiert sich ein Brot neben mir. Keine sinnvolle Träume, aber es ist dann so, als ob er doch noch hier ist...

 

1 Kommentar 18.4.09 23:25, kommentieren

Was ich einmal werden will....

Dies ist ein Aufsatz von Thomas (ich glaube aus der Unterstufe). Es geht um seine „Berufswünsche“.

 

® Ich glaube ich werde in Frühpension gehen und auf Kosten des Staates leben.

® Andererseits möchte ich reich werden, also werde ich Ölscheich. Ich muss wenig arbeiten und trotzdem bekomm ich viel Geld.

Ich habe auf unserem Grundstück mit den Probebohrungen angefangen, aber außer gelbem Metall und schönen glitzernden Steinen habe ich nichts gefunden. Da ich mit dem wertlosen Zeug nichts anfangen kann, habe ich es weggeworfen.

® Da ich nicht weiß woher ich Erdöl bekomme, werde ich ein Wrestlingstar. Ich muss jeden Tag nur raufen und verdiene damit sehr viel Geld. Markus wird mein Manager. Wir teilen 90:10 für Markus.

® Eigentlich habe ich keine Lust zum Arbeiten, also werde ich Bettler. Ich werde unter einer Brücke leben.

® Da ich gerne mit Menschen zusammen bin, werde ich Terrorist. Ich werde der IRA beitreten; dort habe ich Essen und Unterkunft gesichert. Dort werde ich Spaß mit den Waffen haben.

® Vielleicht gehe ich zum Militär. Dort ist es sehr langweilig, also brauchen sie einen lustigen Mann. Also werden Ralf und ich Sergeants und werden den Soldaten das Leben verschönern.

® Ich könnte mir auch gut vorstellen, zur NASA zu gehen. Ich habe vor, der erste Mensch auf der Sonne zu sein. Dann bin ich gleich berühmt wie Niels Armstrong. Vielleicht bin ich der erste der mit Lichtgeschwindigkeit fliegt.

® Wahrscheinlich ist auch, dass ich Pizzajunge werde. Dann kann ich alle Pizzen probieren. Vor allem bekomme ich Pizzen gratis.

® Wenn es sein muss, würde ich sogar für meine Millionen arbeiten. Also werde ich Tellerwäscher. Denn man sagt ja vom Tellerwäscher zum Millionär.

® Ich werde Bürgermeister. So kann ich meine Einwohner um die Steuern betrügen.

® Ich habe auch schon einige verlockende Angebote von der italienischen Mafia bekommen. Sie haben mir eine Stelle als Vize-Chef angeboten. Ich hätte eine 21- Stunden Woche. In der Zeit würde ich Schutzgelder erpressen usw.. Aber ich glaube das ist nichts für mich.

® Es könnte sein, dass ich Polizist werde. So kann ich legal mit Waffen spielen. Auf diesem Weg werde ich Ralf wahrscheinlich öfters treffen, da er Taschendieb wird.

® Es könnte auch sein, dass ich Ralfs Bodyguard werde. Ralf wird Hockeyspieler in der NHL. Ich muss Ralf aufs Eis folgen und aufpassen, dass ihm nichts passiert.

® Vielleicht gehen  Ralf und ich nach Hollywood und werden Komiker. Die neuen DICK und DOOF. Dort verdienen wir viel und arbeiten wenig.

® Ich werde Papst denn dann kann mich niemand kritisieren, da der Papst unfehlbar ist. In den Kirchen wird es keine Orgelmusik mehr geben, sondern Rock- und Popmusik.

® Unwahrscheinlich ist, dass ich Lehrer werde. Mir tun die Kinder leid, die von den Lehrern brutal niedergezapft werden.

® Ich würde auch gerne Sänger werden, aber bei meiner Stimme könnte ich höchstens Heavy Metal Star werden.

 

 

 
 
 

1 Kommentar 18.4.09 23:32, kommentieren

Grabreden

Ich hätte nie gedacht, dass ich meinen Bruder einmal zu Grabe trage. Trotzdem war es ein „schönes“ Begräbnis.

 

REDE VON MAMA

Wir trauern hier nicht um das Ende von Thomas, sondern wir feiern seinen Neubeginn in einer anderen Dimension. Die irdischen Spuren, die Du im Sand des Lebens hinterlassen hast, vergehen. Jedoch jene, welche Du in unsere Herzen gelegt hast, bleiben immer bestehen.

Mögen unsere Augen auch blind sein für Dich, und Du magst wohl weitergehen, doch unsere Herzen können Dich weiterhin sehen. Ja, mein Herz kann auch reden und es ruft Dir zu ganz inniglich, THOMAS, mein Sohn, wir alle lieben Dich. Wir wissen alle, der Ernst des Lebens hat ihn nicht sonderlich interessiert, er war immer von der Freude des Lebens getrieben und in seinem Inneren stets ein Kind geblieben. Irgendwie konnte er nicht verstehen, weshalb die Menschen so ernsthaft leben, hat stets seinen Lausbuben-Schalk eingebracht und viel Schweres für uns, ganz leicht gemacht.

Seine Worte waren oft auch unbequem und heute erst können den Sinn wir seh`n. Er ging Seinen Weg ganz konsequent vom ersten Tag bis zum bitteren End.

„Bitter“ nicht weil er so schnell von uns gegangen, sondern weil wir vieles erst jetzt verstanden…

Er sagte: Vom Unendlichen bin ich gekommen und dorthin kehre ich auch zurück. Und er betrachtete sein Leben, seine irdische Reise, nur als des Weges kleines Stück.

Einem Klavierspiel gleich, entstand das Leben aus der Stille und dort endet es auch…

Doch mit jedem Ton dazwischen, mit jedem Akkord, spielte das Leben sich fort und nun war es sein Wunsch und auch sein Wille, zurückzukehren zu dieser Stille.

Die Stille ist nicht Tod und Ende, sondern zu einem Neuen Leben die Wende.

Und in dieser Stille, der Stille des Herzens leben auch unsere Freude und auch unsere Schmerzen.

Wir sträuben uns nicht gegen all diesen Schmerz, doch vereinnahmt er auch nicht unser Herz.

Die Gefühle, die da sind, wir nehmen sie an, doch im Innersten, lacht Thomas uns an.

Hat er doch oft zu mir gesagt: „Geh, Mama, nimm es nicht so ernst, ist doch bloß Illusion! Es ist unser Spiel, das Spiel unseres Lebens, das kennst du doch schon!“

Es nun jedoch auch in diesem, seinem Licht zu betrachten, fällt uns möglicherweise nun doch nicht ganz leicht …

Doch wenn uns jetzt dies gelingt, hat ER damit SEIN Ziel  erreicht!

Seine größte Furcht war nicht der Tod, sondern nicht zu entsprechen und zu versagen. Wollte er doch so gerne, dass wir uns alle vertragen, so hat bis zum Schluss er dahin gewirkt und all unsere Bande so sehr gestärkt, dass wir gemeinsam in unserem Leben genauso wie er, als Sieger bestehen.

Er geht uns allen ein Wegstück voraus, bereitet uns drüben ein neues Zuhaus.

Er hat immer ein Ziel gesucht für sein Leben, dafür hat er sich Jahre gewunden und kurz bevor er ging, hat er es gefunden.

Er sagte: „Ich weiß jetzt endlich was ich will, den Menschen zu helfen, das ist mein Ziel!“

Nun, wie Thomas so war, gesagt getan, alles klar, hat sich vermutlich dann überlegt, wie das am besten wohl nun geht… Geht das von hier nun besser oder von dort? Wie Thomas so ist: Gesagt getan, schon war er fort!

Wir sind nun hier alle versammelt und verbunden, in Liebe zu Dir, in diesen Stunden…

Unser Gedenken soll freudig sein und es ist gut für uns zu wissen – auch wenn wir Dich vermissen – dass das Leben ein steter Fluss, mit dem Tode des Körpers nicht enden muss

Fühle Dich frei und von uns allen geliebt und wisse, lieber Thomas, DU hast nicht versagt, sondern gesiegt!

 

REDE VON BRUNO

 

Etwas was sehr zu Thomas passt…

Er hat Regeln so ziemlich gehasst.

Ich hab Ihn erlebt wie ein Rebell,

er hat immer das gemacht, was er will.

 

Viele Menschen hab ich geseh´n

Die ihren Weg weiter geh´n…

Doch im Herzen berührt so sehr wie er,

hat mich noch keiner bisher…

 

Er war und ist…

Ein Freund und Bruder für mich…

Und ich bin froh, hab ich es nie vermisst,

ihm zu sagen, was er für mich ist.

 

Er wusste und weiß, genau… wie sehr wir alle ihn lieben…

Und fühlte sich stets von uns allen getragen.

Manchmal, so mögen wir fragen:

Wieso ausgerechnet ER? Wie kann ich´s ertragen?

 

Kommt, lasst es uns tragen so wie er hätte wollen…

Lasst uns mit Freude ihm unsere Ehre zollen…

 

Für mich bleibt Thomas so wie er war:

Gesagt, getan… alles klar !

Und eines kann ich versprechen, daran dürft ihr denken…

den nächsten Joint rauche ich zu seinem Gedenken !

 

Der Geist formt die Materie… wurde uns gepriesen,

der Körper zerfällt, das ist bewiesen…

doch der Geist, der allem innewohnt,

der kann nicht sterben oder vergeh´n

Einige können das sogar seh´n

 

Thomas ist weg, zumindest im Fleisch

Doch für mich ist es gut, denn ich weiß,

dass sein Wesen welches ich so geliebt,

in andren Welten weiter lebt.

 

Darum ist es meine Art ihm zu gedenken;

meine Freude auf ihn zu lenken !

Ich steige nicht ein in den Schmerz dieser Welt,

natürlich, auch mir tut es weh…

doch weshalb soll ich trauern,

wenn ich ihn doch noch seh´?

 

 

So möchte´ich zum Trost Euch allen mitgeben:

Für mich wird Thomas weiterleben !

 

Ihr könnt mir jetzt sagen, das sei Fantasie,

doch überzeugen könnt Ihr mich nie !

Denn was ist der Glaube „Alles sei weg“ anderes als Illusion…?

So möge jeder glauben, in dieser Situation,

was ihm hilft und mehr Freude bringt, denn letztendlich seht,

was wissen wir schon ?

 

Was ist die Wahrheit?

Wo kommen wir her?

Wo gehen wir hin?

Was soll das hier?

 

Das Leben ist ein steter Fluss

Wo alles sich verändern muss….

Werden und Vergeh´n…

Wie soll ich dem widersteh´n ?

 

So lasst uns doch in Liebe…

den Weg mit Thomas geh´n,

an Gottes Hand geführt,

im Herzen tief berührt

der ungewissen Stille nun begegnen

und Ihn von Herzen segnen !

 

Ihn zu wissen in des Vaters gütiger Hand,

Ziehen ins gelobte Land…

In´s Land wo Milch und Honig fliessen…

Und neue Träume spriessen…

 

und geduldig warten auf den Tag,

wo man, wenn man wirklich liebt,

es auch ein Wiedersehen gibt !

 

Es gibt für mich nur eine Trennung die schlimmer ist

Als jene von Eltern und Kind:

Die Trennung von Gott dessen Kinder wir letztlich alle sind !

 

Gott ist die Liebe…

Gott ist das Meer…

Du bist die Welle…

Wir lieben Dich sehr…

 

Alles ist Geist…

Alles ist eins…

Es gibt keine Trennung…

Und auch kein „allein“…

für immer wirst Du bei uns sein !

 

Wo immer Du bist, wohin immer Du gehst,

Unsere Herzen sind mit Dir !

 

Wo immer ich bin…Was immer ich tu…

In der Liebe zu Dir find´ ich meine Ruh…

 

Du warst ein Zigeuner und bist es noch immer…

hättest Du nie gelebt wär das noch viel schlimmer !

Danke für Die Zeit mit Dir…

Und die Reise nach Hause…. die gönne ich Dir !

 

 

 
 
 

 

 

18.4.09 23:34, kommentieren