Letztes Feedback

Werbung

Gratis bloggen bei
myblog.de

Gedanken, Tagebucheintragungen

Es hilft mir immer wieder, wenn ich meine Gefühle aufschreibe. Vor allem wenn ich Thomas besonders vermisst habe, und in einem tiefen Loch war, habe ich drauf los geschrieben.


Oktober 2004

Dein Lachen, das vermisse ich.

Deine Ehrlichkeit.

Deine Wärme.

Den Moment, in dem du ins Zimmer kommst.

Deine Sturheit.

Deine Kraft.

Deine Hartnäckigkeit.

Dein Einfühlungsvermögen.

Deine Stimme.

Deine Fröhlichkeit.

Deine Gedankengänge.

Deine Klarheit.

Deine Stärken.

Deine Unordentlichkeit.

Deine Feinfühligkeit.

Deine Lebenslust.

Deine Vergesslichkeit.

Deine Art mit Menschen umzugehen.

Ich vermisse dich, Bruderherz...

 

Leute kommen auf mich zu und bemitleiden mich.

Zwei Minuten vorher habe ich noch an etwas anderes gedacht.

Aber sie machen mich traurig.

Sie sind bedrückt und senken die Stimme.

„Wie geht’s dir?“

Es macht mich traurig, wenn andere Menschen traurig sind, weil ich traurig bin.

Es macht mich wütend.

Die Trauer gehört mir.

Ich will nicht traurig sein, weil sie es erwarten.

Ich will fröhlich sein, weil es dir gut geht.

 

14.10.2004

... Ich habe durch seinen Tod sehr viel gelernt- zum Beispiel bewusster zu leben. Jetzt erst versteh ich was es heißt im „Jetzt“ zu leben. Thomas hat in den letzten Monaten so intensiv gelebt, wie nie zuvor. Er hat alles gemacht, wozu er Lust hatte. Alles gesagt, was zu sagen war.

Ich liebe ihn dafür.

Außerdem wird mir klar, über wie viele Dinge wir uns in unserem Leben ärgern, meist über Kleinigkeiten....

 

18.10.2004

So langsam wird mir erst bewusst, wie sehr ich ihn vermisse. Wie sehr ich meinen großen Bruder brauche. Ich will nicht „ohne ihn“ erwachsen werden. Ich will, dass meine Kinder ihn einmal kennen lernen- seine Offenheit, seine sympathische Art, sein Lächeln, seine Art mit Problemen umzugehen.

 

Ich finde es unfair, dass dieser Unfall überhaupt passiert ist. Es ist okay, dass er sich gegen das Leben im Rollstuhl entschieden hat. Aber warum überhaupt dieser Unfall?

Seine Zeit war gekommen? Aber warum schon jetzt?

Warum darf ich nicht mit ihm zusammen alt werden?

 

Wann hören die Tränen auf über meine Wangen zu fließen?

 

.... 2004

 Von klein auf bist du bei mir, neben mir. Ich bin mit dir aufgewachsen, Du warst immer da. Ich kann mir nicht vorstellen, dass du nicht mehr da bist. Ich will es nicht wahr haben. Schließlich wird man alt, und erst dann stirbt man. Wie kannst du so früh von mir gehen? Wie kannst du mir das antun?

 

Wie oft hast du mich geärgert? Wie oft hast du mit mir gestritten?
Ich hab das oft nicht ausstehen können. Jetzt würde ich alles dafür geben, und ich würde dir  immer Recht geben, egal was du sagst, weil es unwichtig ist wer recht hat. Jetzt bringt mir meine Bockigkeit und Sturheit auch nichts mehr.

 

Was wäre wenn ich gefahren wäre? Wieso, verdammt noch einmal bin ich nicht in diesem Scheiß- Auto gesessen? Wieso musstest du gehen? Wieso kann nicht ich an deiner Stelle sein?

Ich vermisse dich so sehr Bruderherz. Du bist für mich unersetzbar. Nicht mal annähernd gibt es so eine Person wie dich. Ich vermiss deinen Humor am allermeisten. Deine Art gewisse Dinge nicht zu schwer zu nehmen.

 

Es tut weh!!

Ich bin wütend. Ich hasse dich und ich liebe dich. Du fehlst so sehr. Bei allen Kleinigkeiten. In gewissen Situationen. In peinlichen Momenten..

Jetzt!

Alleine die Vorstellung was mich noch erwartet ohne dich macht mir Angst, Thomas. Ich bekomm Angst. Ich brauche meinen großen Bruder. Ich kann nicht ohne dich. Aber ich kann nichts ändern! Und das macht mich wieder wütend!! Und diese Wut macht mich hilflos. Und das macht mir wieder Angst.

Bitte gib mir Kraft. Gib mir die Stärke mein  Leben zu leben.

 

06.11.2004

In Gedanken bin ich immer bei dir.

Aber ich lasse dich ziehen.

Du bist genau so ein Bruder, wie ich ihn mir gewünscht habe.

Ich habe Angst, dass ich vieles vergesse, was wir erlebt haben.

Doch tief in meinem Herzen bleibst du immer,

und bist dadurch bei mir,

wenn ich dich brauche.

 

02.01.2005

 Ich pack das alles nicht mehr. Ich kann keinen Handgriff tun, ohne zu denken wie sinnlos er ist. Ich hab keine Energie mehr für das ganze Spiel hier. Ich fühle mich leer und ausgelaugt. Wie eine leere Batterie, die ihren Akku nicht findet.

Was hat hier noch Sinn? Was hilft mir?

Wie kann ich diese Leere von mir abschütteln?

Fühl mich so alleine und nutzlos. Das kann nicht sein...

 

Würde am liebsten nur mehr schlafen und an nichts denken müssen. Meine Gedanken wegstoßen. An nichts denken.

 

Es kommt so eine Wut aufs Leben auf. Aufn Thomas. Auf mich.

 

27.01.2004

Die Traurigkeit lässt nach. Das erschreckt mich. Du bist nicht mehr in meinem Hirn

eingebrannt.

 

30.01.2005

Immer wenn ich denke, dass der Schmerz nachlässt, kommt er mit einer gewaltigen Kraft. Da reicht es schon, wenn ich nur ein Foto von ihm anschaue. Es macht mir Angst, wenn ich mal ein paar Tage nicht an dich denke. Es ist fast so, als ob Schuldgefühle aus mir sprechen, weil ich gedacht habe, dass ich immer um dich trauern werde und das dieser Schmerz nie weniger wird.

Er wird aber weniger..

 

Manchmal kommt es mir so vor, als ob mir jemand über die Wange streicht. Da denke ich an dich, an die Situation im Krankenhaus- als du da gelegen bist und ich mich nicht getraut habe über deinen Kopf zu streichen- aus Angst, dass ich dir wehtue.

 

Liebe bleibt Liebe, und Verbundenheit bleibt Verbundenheit. Für immer. Das kann uns niemand nehmen. Das bleibt.

 

Was wäre, wenn du noch bei uns wärst? Nichts hätte sich verändert, mein Leben wäre so weiter geplätschert. Niemand hätte sich Gedanken über Leben und Tod gemacht. Du hast so viel verändert... Hast so viele Menschen hinter dir gelassen, erfüllt mit Traurigkeit, Zweifel und Wut.

Du hättest noch so viel hier mit uns machen können, warum bist du jetzt schon gegangen? Ohne ein Goodbye.

 

Die Traurigkeit klebt an mir...

 

Ich vermiss dich Bruderherz!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

 

14.03.05

Ich fühl mich leer. Wo ist meine Kraft, wo ist mein Wille? Wo ist mein Bruder?

Wo ist die Energie die mich antreibt?

 

Es ist mir egal ob ich existiere oder nicht.

SINNLOS. Alles.

Dieses Leben. Dieser Tag. Diese Stunde.

Was hat noch Wichtigkeit? Was hat noch Sinn?

 

Ich fühle mich leer und ausgelaugt.

Ich fühle mich nutzlos.

 

Fast ein halbes Jahr ist es her, dass du voraus gegangen bist.

 

Druck lastet auf mir. Dem einzigen Kind.

 

Der Stift ist auf einmal neben dem Block. Die Rose wackelt hin und her.

Du bist da.

 

 

 

 

 

 

 

18.4.09 23:30

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen